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Adam, Albrecht

Pferde in der Puszta

Entstehungsjahr keine Angabe
Technik Öl auf Leinwand
Maße 53 cm x 69 cm
Münchener-Nr. 13093
Linz-Nr. keine
Lost Art-ID 565891
Herkunft Kulturgüter aus ehem. Reichsvermögen

Beschreibung

Albrecht Adam wurde 1786 in Nördlingen als Sohn eines Konditormeisters geboren.1 Er brachte dementsprechend keine künstlerische Vorbildung mit, fiel aber von klein an durch sein künstlerisches Talent auf. Als Autodidakt, gefördert durch den Zeichenunterricht bei Christoph Zwinger in Nürnberg, machte er schnell von sich reden, einerseits durch seine gekonnten Pferdeporträts, andererseits durch sein besonderes Interesse und Talent für die künstlerische Umsetzung kriegerischer Ereignisse. 1809 wurde er Hofmaler (bis 1824) des Vizekönigs von Italien, Eugène de Beauharnais, Herzog von Leuchtenberg, seit 1816 mit Wohnsitz in München. In der Zeit der napoleonischen Kriege und im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts ergaben sich für Adams Begabung zahlreiche Gelegenheiten, so begleitete er 1812 die napoleonische Armee auf dem Rußlandfeldzug und besuchte die Kriegsschauplätze in Italien 1848 sowie Ungarn 1851, um seinen Bildern durch unmittelbare Anschauung und durch Terrainstudien stärkere Überzeugungskraft zu verleihen. Seine künstlerische Spezialisierung trug ihm Aufträge der höchsten Würdenträger in ganz Europa ein, so u. a. von König Max I. Joseph und König Max II. von Bayern, König Wilhelm von Württemberg, König Ludwig I. von Bayern, dessen Hofmaler er seit 1854 war, sowie Kaiser Franz Josef I. von Österreich. Besonders hervorzuheben ist der Großauftrag von 1839 über 16 Schlachtenbilder, den ihm Maximilian, Herzog von Leuchtenberg, für sein Petersburger Palais erteilte. Bedeutende Ehrungen blieben nicht aus: So wurde Adam 1824 Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie und 1825 Mitglied der Berliner Akademie, 1850 wurde ihm der Franz-Josephs-Orden (Österreich), 1854 der Max-Joseph-Ritterorden für Wissenschaft und Kunst (Bayern) und ebenfalls 1854 der Rote-Adler-Orden (Preußen) verliehen. Adam verstarb 1862 in München.
Adams Bekanntheitsgrad steigerten insbesondere zwei umfangreiche Lithographiewerke, die seine beiden Hauptthemen, Kriegs- und Pferdedarstellungen, dokumentieren: „Voyage pittoresque et militaire de Willenberg en Prusse jusqu’à Moscou, fait en 1812“ (1827-33) und „Die Pferdezucht auf Alsen“ (1838).2 Adam ist Begründer einer ganzen Künstlerdynastie, die bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts wirkte. Seine Autobiographie wurde 1886 veröffentlicht, das Archiv der Familie befindet sich im Stadtarchiv München. Adam ist einer der wichtigsten Vertreter der Münchner Malerschule und taucht als solcher in allen einschlägigen Lexika und Nachschlagewerken auf.

Aus der Tiefe einer kahlen Landschaft prescht ein Reiter in gestrecktem Galopp diagonal nach rechts in den Vordergrund und wirbelt dabei ein Lasso. Das wilde Pferd, das er verfolgt, hat mittlerweile seine Fluchtrichtung geändert und rast nach links vorn. In der trockenen Landschaft wirbelt der Staub nur so auf. Im Hintergrund ahnt man auf der linken Seite eine Herde Pferde in Begleitung von Reitknechten
Mit der kahlen Landschaft und der fremdländischen, an ungarische Tracht erinnernden Kleidung des Reiters verleiht Adam seinem Bild etwas Lokalkolorit, womit er vielleicht auf die Herkunft der Rasse vom Balkan verweisen will. Die Durcharbeitung geht kaum über einen skizzenhaften Charakter hinaus, lediglich die am vorderen Bildrand erkennbaren Pflanzen sind etwas präziser ausgearbeitet.

Provenienz

Zeittafel
früher Olaf Bittner, München (laut Aussage Brüschwiler 12. 7. 1951) 
seit ca. 1942 im Besitz der Kunsthandlung Eugen Brüschwiler, München 
am 08.05.1943 von dort an Schloss Posen für 3.000 RM3  

Die TVK München ermittelte, dass das Gemälde vom Kunsthändler Eugen Brüschwiler, München, am 8. 5. 1943 an das Schloss Posen verkauft wurde. Der Kunsthändler Eugen Brüschwiler hatte das Gemälde laut Aussage vom 12. 7. 1951 von Olaf Bittner, München, erworben.4

Die erneuten Recherchen ergaben Folgendes: Alle Querverweise bestätigen nach umfassender Recherche im Bundesarchiv die vorliegenden Angaben, fördern jedoch kaum neue Erkenntnisse zutage. Im Bundesarchiv Koblenz befindet sich eine Ankaufsliste zu Erwerbungen für das „Deutsche Schloss Posen“. Darin taucht auch die Rechnung des Münchner Kunsthändlers Eugen Brüschwiler vom 12. 5. 1943 auf, in der unter anderen Werken auch Adams Gemälde aufgeführt ist mit Verweis auf das Bauausgabenzahlungsbuch Nr. 2697, von Prof. Heinrich Michaelis am 16. 8. 1943 abgezeichnet.5 Der Kaufpreis betrug RM 3.000. Weitere Nachweise haben sich im Bundesarchiv nicht gefunden.

Nach der Besetzung Polens 1939 beauftragte Adolf Hitler seinen Chefarchitekten Albert Speer mit dem Ausbau des Posener Schlosses im annektierten Reichsgau Wartheland zu einer repräsentativen „Führerresidenz“. Ab Frühjahr 1940 begannen die aufwändigen Umgestaltungen des Gebäudes, das zugleich als Amtssitz für den Reichsstatthalter und Gauleiter Arthur Greiser gedacht war. Vorgesehen waren außerdem private und repräsentative Räume für Hitler und seine Gäste. Für die Innenausstattung und den Einkauf von Möbeln und Kunstwerken war der Münchner Innenarchitekt Heinrich Michaelis verantwortlich. Sämtliche Kunstankäufe wurden über ihn in München abgewickelt.6 Die zwischen 1942 und 1944 für die Residenz erworbenen Gemälde wurden allerdings nicht mehr nach Posen transportiert, sondern 1944 nach Bad Aussee ausgelagert.7

Die Kunsthandlung Brüschwiler veranstaltete keine Auktionen und ließ keine Auktionskataloge drucken, zudem sind keine Geschäftsbriefe überliefert.8 In Münchener Archiven liegen keine Geschäftsunterlagen zur Kunsthandlung vor.9 Die Unterlagen der Landesleitung der Reichskammer der bildenden Künste für München sind nicht überliefert.10
Über die Münchener Kunsthandlung Eugen Brüschwiler11 liegen nur wenige Informationen vor. 1916 wurde die Kunst- und Antiquitätenhandlung von den Brüdern Dr. August und Eugen (1889 geb.) Brüschwiler in München gegründet. Im Jahre 1931 schied August Brüschwiler aus dem Geschäft aus, die Kunsthandlung wurde unter dem Namen „Eugen Brüschwiler“ weitergeführt. Eugen Brüschwiler war seit 1925 Mitglied der NSDAP und zudem in der SA organisiert.
Brüschwiler verkaufte 78 Kunstwerke an den „Sonderauftrag Linz“.12

Die kunsthistorischen Recherchen ergaben Folgendes: Die Gesamtzahl der aus Adams Werkstatt stammenden Gemälde, in späteren Jahren oft in Zusammenarbeit mit seinen Söhnen entstanden, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht überblicken und ist weder durch den Maler selbst dokumentiert noch durch die kunsthistorische Forschung in einem Werkverzeichnis aufgearbeitet. Das vorliegende Gemälde gehört mit seinen geringen Abmessungen und seinem skizzenhaften Charakter, der keine konkrete historische Anbindung erkennen lässt, vermutlich zu den auftragslosen Werken und lässt sich in der Literatur nicht nachweisen.13

Vor dem hier geschilderten Hintergrund bleibt die Provenienz des hier in Rede stehenden Gemäldes ungeklärt, zumal alle Quellen ausgeschöpft sind. Anhaltspunkte für weitere Recherchen liegen derzeit nicht vor.

Stand: 2011

1 Für Folgendes vgl. Brulliot 1, 1832, S. 17, 712; 2, 1833, S. 10; Müller o. J. (1845), S. 120; Le Blanc 1, 1854, S. 3; Müller, KL 1, 1857, S. 5; 4, 1870, S. 2; Nagler, Monogr. 1, 1858, S. 47f. Nr. 98, 537f. Nr. 1251; Meyer, KL 1, 1872, S. 65-68; ADB 1, 1875, S. 44f.; Seubert 1, 1878, S. 4f., 576; Thieme/Becker 1, 1907, S. 57f.; Müller/Singer 1, 1921, S. 5f.; Nagler, KL 1, 1924, S. 15-17; NDB 1, 1953, S. 51f.; ÖKL 1, 1974, S. 10; Münchner Maler 1, 1981, S. 9-11; AKL 1, 1983, S. 282f.; DBE 1, 1995, S. 27; DA 1, 1996, S. 141; Bénézit 1, 1999, S. 54.
2 Adam ist als Illustrator aufgeführt in LGB 1, 1985, S. 19
3 Für das Folgende vgl. BADV Berlin, Property Card, Mü-Nr. 13093. Weitere auf der Karteikarte vermerkte Nummern lauten Aussee 7913 und P 88/VII.
4 BArch Koblenz, B 323/517.
5 Dietsche; Schwendemann 2003.
6 Eichhorn 2003, S. 215f.
7 Dietsche; Schwendemann 2003, S. 139f., 151.
8 Heuß 2003, S. 225.
9 Für das Folgende vgl. http://www.badv.bund.de/ unter mü 261.
10 Boberach 1991.
11 Für das Folgende vgl. http://www.badv.bund.de/ unter Mü-Nr. 2399/26.
12 Vgl. Datenbank „Sammlung des Sonderauftrages Linz“ http://www.dhm.de/datenbank/linzdb/ (unter Provenienz "Brüschwiler".
13 Die in den in Anm. 1 genannten Nachschlagewerken und in der Bibliographie zur Bayerischen Kunst, vgl. Wichmann, Bibl. 1, 1961, 4, 1973, verzeichneten Erwähnungen Adams haben sich als nicht relevant erwiesen. Das vorliegende Bild wird ebensowenig erwähnt bei: Boetticher I.1, 1891, S. 14-16; Luzio 1898; Holland 1915.

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